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Die symbolische Bedeutung der Sprache

Sprachliche Formulierungen prägen den Alltag. Viele Formulierungen nehmen wir als gegeben hin, ohne sie zu hinterfragen. Z.B. das grammatikalische Geschlecht. Auch wenn das grammatikalische Geschlecht nicht mit dem sexuellen Geschlecht gleichgesetzt werden dürfte, machen wir trotzdem diese Verbindung. Das prägt unser Zusammenleben und wie wir miteinander umgehen.

 

Wenn ich im folgenden von männlich/maskulin – weiblich/feminin spreche meine ich nicht der Mann oder die Frau sondern die männlichen und weiblichen Aspekte der schöpferischen Energie die sich in Frauen und Männern ausdrückt. Ich ordne diese wie folgt:


Maskulin

befruchtend

Impulsgebend

aktiv

Chaotisch-kreativ

aufbrechend

intellektuell

denkend

analysierend

trennend

digital

nach aussen gerichtet

Im Vordergrund

fordernd

linear

kurzfristig

Risiko bereit

erobernd

konkurrierend

entschlossen

bestimmend

führend

freiheitsliebend

Feminin

empfangend

austragend

passiv

Ordnend-erhaltend

Form gebend

intuitiv

fühlend

syntetisierend

verbindend

analog

nach innen gerichtet

im Hintergrund

nährend

vernetzt

nachhaltig

Sorge tragen

verführend

kooperativ

abwägend

hingebungsvoll

folgend

Sicherheit suchend


Sprache schöpferisch leben

Ich experimentiere mit der der Sprache: zB. «Wenn ich im Wald spazieren gehe, fühle ich mich geborgen.» Um den Aspekt der Geborgenheit zu betonen oder zu verstärken beschreibe ich das sprachkreativ.

«Ich gehe gerne in den Wald spazieren. Die Waldin empfängt mich und unter einem ihrer Bäume lass’ ich mich nieder». In dem ich die Sprache kreativ gebrauche erfülle ich sie mit Bewusstsein. Die Sprache wird lebendig.

 

Sprache ist keine zufällige Aneinanderreihung von Worten. Sprache ist ein schöpferisches Werkzeug. Je nachdem, wie ich etwas formuliere, setze ich die entsprechenden Kräfte in Bewegung. Wenn wir eine Veränderung im Bewusstsein und in unserem Leben wollen, ist es not-wendig, bei der Sprache zu beginnen.

Hier ein interessanter Ted-Talk auf YouTube zum Thema «How language shapes the way we think» (mit deutschen Untertiteln)

Der Mensch – ein Symbol?

Sprache drückt sich in Symbolen aus, die wir mit Inhalt füllen. Je nach Erfahrung ist der Inhalt anders gefärbt.

 

Der Mensch. Er ist Pionier, macht das Land urbar, laut der biblischen Schöpfungsgeschichte war der erste Mensch ein Mann: Adam und die erste Frau, Eva kam aus seiner Rippe hervor.

 

Kurz: Der Mann ist der Prototyp des Menschen, das hat wohl auch Da Vinci so empfunden, als er für seine Illustration des vitruvianischen Menschen einen Mann als Vorlage genommen hatte.

Überprüfe selber: Stell dir einen Menschen vor. Was entsteht für ein Bild von Mensch? Ein Mann, eine Frau, ein Kind? Wenn es also heisst, der Mensch besiedelt den Planeten, dann verstehen wir unbewusst: Der Mann besiedelt den Planeten. In unserem Unbewussten ist der Mensch gleich der Mann.

 

Das Wort «Mensch» kann aber auch nur als Symbol verstanden werden. Eine Form, die die männlich/maskuline Eigenschaften verkörpert.

 

Wenn ich aber den Zustand unseres Planeten betrachte, sieht es so aus, als haben wir ein Übermass an männlicher Energie. Die starke Gewichtung der männlichen oder maskulinen Eigenschaften, die vor allem in den Industrienationen (leider auch für Frauen) als erstrebenswert gelten, führt zu einer falsch verstandenen Freiheit, die unseren Planeten an den Rand des Abgrunds treibt.

Die Mehrzahl und das Weibliche

Auch in der deutschen Sprache geht die weibliche Form aus der männlichen hervor. Sie wird gebildet, in dem aus dem generischen Maskulinum «der» das generische Femininum «die» wird und, abhängig vom Grundwort, wird der männlichen Form die Endung «in» angehängt. z.B. der Leser, die Leserin. Interessant finde ich, dass die Mehrzahl das generische Femininum trägt. Z.B: der Leser, die Leserinnen.

 

Wenn ich das ganze bildlich betrachte sehe ich, dass die weibliche Form ob Einzahl oder Mehrzahl das Grundwort, einschliesst, umfängt, umfasst – ja umarmt. Umarmen, etwas bergen, Geborgenheit geben ist eine weibliche Eigenschaft

 

Diese weiblichen Qualitäten zeigen sich in der Mehrzahl, im Kollektiv. In der Gemeinschaft.

 

Vielleicht ist das generische Femininum der Mehrzahl ein Sprachcode der uns sagen will, dass wir nur im Kollektiv – in der Menschheitsgemeinschaft überleben werden? Und dass dafür die Rückbesinnung auf die weiblich/feminine Eigenschaften in Ergänzung zu den männlichen massgebend ist?

 

In einer männlich geprägten Gesellschaft – und unsere Sprache ist Ausdruck davon – haben männliche Eigenschaften mehr Gewicht.

 

Was braucht es also, damit wir in ein Gleichgewicht kommen? Wie bringen wir die weibliche Qualitäten in den Menschen? Lassen wir aus dem Menschen die Menschin hervorkommen? Oder entkoppeln wir die maskuline-Verknüpfung mit dem Menschen, in dem ich ein neues Wort kreire: z.B. Erde-Wandelwesen? Beginnen wir nun die Sprache umzuformen mit Gender*sternchen, Binnen-I und doppel-Schreibweisen? Solche Kreationen können sensibilisieren uns etwas ins Bewusstsein rufen. Nämlich, dass es noch einen anderen Pol gibt.

 

Männlich und Weiblich sind polar und somit komplementär. Weiblichkeit ist keine Alternative zur Männlichkeit. Feminismus keine Alternative zur patriarchalen Gesellschaft. Sondern: Beide Pole ergänzen sich. Und zwar umso besser, je mehr jeder Teil in seiner Kraft und Fülle ruht und seiner Natur gemäss lebt.


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